Ostern in Morschenich

Pünktlich zu Ostern überraschten RWE und Bürgermeister Gelhausen den Wagenplatz mit einer Räumungsdrohung zum 14.04.20.

Der WDR und die Westfälischen Nachrichten berichteten erst kürzlich, dass
das NRW-Innenministerium konkret einen Eilerlass vorbereitet, damit
Kommunen „Versammlungen und Mahnwachen während der Corona-Epidemie
nicht genehmigen müssen“.

Vielleicht besuchten deshalb am Freitag den 03. April, 6 Mitarbeiter*innen der RWE in Begleitung von 2 Polizist*innen den Wagenplatz, der sich in unmittelbarer Nachbarschaft des Hambi Camp 2.0 befindet. Ihr Auftrag: Das Anheften etlicher Räumungsandrohungen an die auf dem Parkplatz befindlichen Wägen, Zelte und Fahrradanhänger. Bis zum 14.4.2020 sollten diese vom Grundstück entfernt werden, ansonsten drohe die Räumung.

Das Hambi Camp 2.0 besteht seit Nov 2018 als legale Versammlung im Garten einer Anwohnerin Morschenichs. Kurze Zeit nach der Gründung des Camps wurde ein brachliegender Parkplatz in der Nähe des Camps temporär von Menschen genutzt, um ihre Autos und Wohnwägen zu parken und abzustellen. Der Platz entwickelte sich besonders nach dem bekanntgegeben wurde, dass Morschenich “nicht bergbaulich in Anspruch genommen werden muss”, zu einem Lebensraum für Menschen, die das Dorf weiter mit Leben füllen wollten und einen Ort suchten an dem sie ein ökologisch vertretbares und alternatives Leben führen konnten. Auch die seit Jahren ungenutzte Wiese hinter dem Parkplatz wurde bald als Gemüsegarten genutzt, um gemeinschaftliche Versorgungsalternativen aufzubauen. Da sich nun die rechtliche Situation (Versammlungsrecht, Demonstrationsrecht) aufgrund der Covid-19-Pandemie verändert hat, zählt das Hambi Camp 2.0 nicht mehr als legale Versammlung. Sollte das ein Grund sein, um den Wagenplatz nicht länger zu dulden?

Kurz nach dem Besuch RWEs erreichte den Wagenplatz eine E-Mail in der Gelhausen erklärte, dass aufgrund der Corona Krise seinerseits und auch seitens der RWE kein Interesse an einem größeren Polizeieinsatz bestünde. In diesem Zuge wurde den Wagenplatzbewohner*innen ein zeitlicher Rahmen bis zum 30.04.20 eingeräumt. Damit greifen RWE und Gelhausen wiederholt auf Methoden von Vorgestern zurück, nämlich Druck, Zwang und Gewalt, anstatt WIRKLICH den betroffenen Menschen vor Ort Mitsprache einzuräumen. Anstatt Bürger*innenbeteiligung praktisch umzusetzen, wollen sie den Menschen Pläne vorsetzen, in denen für sie keinerlei Raum eingeplant ist. Und so muss davon ausgegangen werden, dass die Inklusion alternativer Lebensformen in Morschenich, als „Dorf der Zukunft“ zu keiner Zeit ernsthaft vorgesehen war. Der Öffentlichkeit wird ein „Lernort“ mit wissenschaftlichem Schwerpunkt und den Themen Natur, Klimawandel und Wald verkauft. Greenwashing vom Feinsten.

Es macht außerdem den Anschein als könnte diese Vorgehensweise der erste Schritt zur vollständigen Räumung der Hambacher Aktivist*innen sein: es wird kontinuierlich Druck ausgeübt und Stress aufgebaut, sei es von RWE-Securities (z.B. willkürliche „Arbeitseinsätze“ in Morschenich) oder Polizei (z.B. verstärkte Kontrollen und Präsenz, Räumungsandrohungen). Somit erlebt der Wagenplatz aktuell das, was die Menschen der vom Tagebau betroffenen Dörfer seit Jahrzehnten erdulden müssen.

Das falsche Spiel Gelhausens spiegelt sich auch darin wider, dass selbst jene Menschen, die sich entschieden haben in ihren Häusern zu bleiben, nun höchstwahrscheinlich nachträglich mit enormen Mehrkosten, wie zum Beispiel den Straßenausbaubeiträgen belastet werden, um die von RWE eigens zerstörte Infrastruktur wiederherzustellen. Ehemaligen Eigentümern wird der Rückkauf ihrer Häuser verwehrt und selbst Mieter*innen werden durch Mitarbeiter*innen des RWE Konzerns systematisch aus ihren Wohnungen vertrieben.

In dieser ohnehin schon turbulenten Zeit und im Hinblick auf den brachliegenden Wohnungsmarkt rund um Köln, fühlen sich die Bewohner*innen des Wagenplatzes in ihrer Existenz bedroht.

Hier präsentiert Gelhausen zweifelsfrei, dass das Fundament des Dorfes der Zukunft auf den traditionellen, kapitalistischen Methoden aus Druck, Angst und Vertreibung für Konzerninteressen besteht.

Hinsichtlich der angespannten Situation haben sich Vermittler*innen dazu entschieden, das Gesprächsangebot von Gelhasen anzunehmen.

Die Frage ist ja, wie sieht für die Landesregierung NRW der Mensch/s Dorf/der Ort der Zukunft aus?

Für uns ist klar.

Alle Dörfer bleiben,

keine Menschen weichen.

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